Werner Wilhelmi hat mir freundlicher weise die Erlaubnis gegeben diesen Artikel hier zu veröffentlichen

Der Artikel stammt aus La Strega, Estate 2007, nr. 80


1. Dänisches Moto Morini Treffen in Hygind

Bild 1:  zum MORINITREF hinter das Haus von Soren

Freitagnachmittag auf der B76 zwischen Kiel und Schleswig. Heiner Eisenbeiß und ich sind mit zwei 3 ½ unterwegs Richtung Norden nach Dänemark. Der Verkehr ist besonders in den Ferienorten recht rege und es geht vergleichsweise zäh voran. Da taucht im Rückspiegel ein weiterer Motorradfahrer auf und bleibt in unserem Windschatten. Charakteristisch ist eine Halbverkleidung im Stil der 70iger Jahre und offensichtlich will sich der Fahrer uns anschließen. Hier haben sich, ohne irgendwelche Absprachen getroffen zu haben,  die einzigen Morinis, die zu dem Zeitpunkt in Richtung Treffen unterwegs sind, auf einer Strasse in Schleswig-Holstein getroffen. Nach einer kurzen Begrüßung fahren wir zu dritt mit Norbert Schütt aus Lübeck weiter. Eine Tankpause an der Grenze und noch kurz Geld getauscht und dann geht es über die Autobahn weiter Richtung Kolding und danach wird  in östlicher Richtung zur Insel Fyn weiter gefahren, wo das Treffen stattfindet. Nach der Autobahnbrücke über den kleinen Belt biegen wir auf Landstrassen ab. Überraschender Weise sind die Strassen auf der Insel von Streckenführung und Zustand her angenehm zu fahren. Es ist ein leicht hügeliges Gebiet mit einer an das Gelände angepassten Streckenführung. Nach etwa 20 km sind wir am Ziel: Hygind, ein kleines Dorf mit vielleicht 25 Häusern im Westen von Fyn gelegen.

Das Treffen findet auf dem ausgedehnten Privatgrundstück von Søren Høyer Hansen und seiner Familie statt. Iris und Hartmut aus Remscheid sind schon da, ebenso einige dänische Morinibesitzer. Ziemlich schnell wird klar, das dieses Treffen einen familiären Charakter haben wird. Spontan erinnere ich mich an die Atmosphäre der ersten Morinitreffen in Eschenhahn. Hier gibt es keinen Catering-Service, hier wird alles selbst in der eigenen Küche zubereitet, wie damals in der elterlichen Küche bei Gerhard Reichel. Und die Verpflegung ist, da spreche ich wahrscheinlich im Namen aller Teilnehmer, gut und reichlich! Die Getränkekarte bietet eine reichliche Auswahl an dänischen und deutschen Bieren, mehrere Weinsorten und am späten Abend auch verschiedene härtere Sachen. Da war sicher für jeden Geschmack was dabei. Søren hatte angeboten, mit einer günstigen Flatrate den gesamten Getränkekonsum an allen Tagen zu bezahlen, eine angenehme Geschichte.

Bild 2:  Die Veranstalter

Bild 3:  Der  Motorradparkplatz

Zum Glück sprechen alle anwesenden Dänen ziemlich gut deutsch. Die Unterhaltung wird dadurch erleichtert und wenn es trotzdem mal Verständnisprobleme gibt, weicht man eben auf Englisch aus.

Im Laufe des Abends treffen noch einige Teilnehmer aus Deutschland und aus Dänemark ein. Das Lagerfeuer ist mittlerweile an und schon bald versammeln sich alle rund um das Feuer. Denn, obwohl den ganzen Tag die Sonne von einem wolkenlosen Himmel scheint und für angenehme Temperaturen sorgt, wird es abends doch recht kühl. Nachts fällt die Temperatur dann auf nur noch 3 ° C.

Der Samstag sorgt zunächst mit Nebel für Verwirrung. Doch gegen 10 Uhr hat sich die Sonne wieder durchgesetzt und das gute Frühstück lässt die kalte Nacht schnell vergessen. Für den Nachmittag ist eine gemeinsame Ausfahrt geplant und die Zeit bis dahin wird auf unterschiedliche Art und Weise überbrückt. Dabei erweist sich der hauseigene Hund als guter Unterhalter. Dem Hund hat es augenscheinlich auch gefallen, da sich immer jemanden findet, der sich mit ihm beschäftigt. So richtig untypisch für ein Morinitreffen ist die Tatsache, das niemand ernsthaft an seiner Maschine schrauben muss. Nur ein junger Däne hat Probleme an seiner 3 ½ mit verstellten Vergasern. Sein Motorrad war vor etlichen Jahren nach einem Unfall wegestellt worden und jetzt hat er es einfach so wie es da stand mit noch allen Spuren des Unfalls genommen, ein Kurzzeitkennzeichen angeschraubt und ist aus Kopenhagen zum Treffen angereist. Ein Schraubendreher und ein 8 mm Schlüssel helfen hier weiter und nachdem auch noch alle Hebeleien halbwegs passend eingestellt sind, erkennt er sein Motorrad nicht mehr wieder.

Bild 4:  Das Wasserschloss in Egeskov Slot

Die nachmittägliche Ausfahrt geht nach Egeskov Slot, einer der Hauptattraktionen auf der Insel Fyn. Die Fahrt dorthin sind etwa 50 km quer durch die Insel. Egeskov Slot ist ausgedehntes Parkgelände mit einem Wasserschloss, großzügig angelegten Gärten mit unzähligen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und einigen Museen und Ausstellungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten in den zu dem Schloss gehörenden ehemaligen Wirtschafts-gebäuden. Interessant für uns ist natürlich ein Motorradmuseum, das einen interessanten Überblick über etwa 80 Jahre Motorradgeschichte wiedergibt. Einzelne Abstecher in andere Gebäude versprechen aber auch Interessantes aus anderen Themenbereichen. Leider haben wir nur etwa 1 Stunde Zeit für die gesamte Anlage. Nach meiner Schätzung kann man sich dort  auch 2 Tage lang ohne Langeweile aufhalten. Wen das interessiert sollte, kann sich unter www.egeskov.com weitergehend informieren.

Bild 5:  Morini 9 ½ und Corsaro 1200

Kaum sind wir von unserer Ausfahrt zurück ist Grillen angesagt. Einige Neue sind noch angekommen. Die deutschen Teilnehmer kommen natürlich mehrheitlich aus dem norddeutschen Raum. Es ist ja auch eine der seltenen Möglichkeiten, zu einem Morinitreffen mit einer vergleichsweise kurzen Anfahrt zu fahren. Der dänische Moriniimporteur ist mit einer Corsaro 1200 und einer 9 ½ angekommen und die beiden Maschinen regen natürlich zu Diskussionen an. Dabei stellt sich (erstaunlicher Weise?) heraus, das doch der eine oder andere "alte" Morinifahrer mittlerweile schon eine der Neuen hat oder doch eine anschaffen will! Vom Importeur werden 3 Geldpreise gestiftet, die an die schönste Morini am Platz, den dänischen Eigentümer, der seine Morini am längsten hat und den Teilnehmer mit der längsten Anfahrt vergeben werden. Der Rest des Abends wird wieder am Lagerfeuer verbracht.

Am Sonntag ist es erfreulicher Weise weniger neblig als am Vortag und auch von den Temperaturen her angenehmer. Nach dem Frühstück heißt es dann Zelt und Gepäck wieder aufpacken, Aufbruch und Rückreise. Fyn kann man auch über eine Fähre Richtung dänisches Festland verlassen, was einige auch tun wollen. Aus Zeitgründen gibt es für uns leider keine Alternative zur Autobahn. Die Rückreise verläuft bei uns ohne Probleme. Andere haben dann doch noch Pech. Bei Hartmuts Dart hat sich  noch der Zahnriemen verabschiedet und der Rest der Reise muss mit ADAC-Hilfe zurückgelegt werden. Bei der Morini von Cord aus Hamburg wird die Batterie nicht mehr geladen. Zum Glück hat die Morini eine batterieunabhängige Zündung.

Zum Schluss, und da spreche ich sicher wieder im Namen aller Teilnehmer, sei nochmals ein herzliches "Dankeschön" an Søren und seine Helfer ausgesprochen. Es war wirklich ein toller Einsatz von euch und das Umfeld beim Treffen hat auch gepasst.

Hoffentlich gibt es 2008 eine Neuauflage.

Werner Wilhelmi
@ Søren Høyer Hansen