Dornröschen 2011:
22. Juli 2011
Nach meiner großen Tour nach Sizilien (Bericht gibt es leider
nur in Dänisch)
gibt es selbstverständlich einiges das gemacht werden muss. Eines hat
sich jedoch durch längere Zeit entwickelt. Die Gabel hat nämlich
angefangen ein bisschen schlapp zu werden und auf der Tour war das
besonders bemerkbar. Das Zusatzgewicht vom Gepäck und die harten
Bremsungen in den Bergen haben die Gabel mehr als ein Mal zum vollen
Durchschlag gebracht. Ich habe also daraus geschlossen, dass die Federn
zusammengedrückt waren und nicht volle Federstärke hatten - auch weil
es sich so anhörte, als ob die Federn bei Schlaglöchern sich nicht
schnell genug ausrichten konnten.
Ich habe deshalb einen Vergleichstest zwischen den Federn von
Dornröschen und den von meiner ersten Morini gemacht, die jünger sind
und weniger km hinter sich haben: einfach ein großer Eisenbrocken oben
drauf um zu sehen wie viel sie sich zusammendrücken - und es gab einen
deutlichen Unterschied. Ich habe also die von meiner Ersten genommen.
Gleichzeitig habe ich längere Rohre oben in die Gabel geschoben, damit
die Vorspannung ein bisschen größer ist.
Ich habe auch ein bisschen mit dem Öl experimentiert. Vor meiner Tour
habe ich mit 15W probiert. Fand ich zu dick. Für die Tour habe ich dann
10W eingefüllt Fand ich aber zu dünn, also, habe ich jetzt ein Gemisch
gemacht, das ungefähr bei 12,5W liegt.
Es lohnt sich wirklich damit zu experimentieren, weil es sehr großen
Einfluss auf die Fahreigenschaften hat. Bei meinem Fahrstil, wo ich so
weit vorne wie möglich sitze und ausgeprägter Spätbremser bin und mein
relativ hohes Gewicht, bedeutet das sehr viel Gewicht auf dem
Vorderrad. Für Andere ist der Stil vielleicht ganz anders, und alles
muss selbstverständlich danach eingestellt werden.
Wo ich nun dabei bin, kann ich mal ein paar Bemerkungen zur Reifenwahl
fallen lassen. Ich bin nämlich in eine Richtung gegangen, die ich
nicht unbedingt gehen wollte. Ich habe nämlich einen 100 mm Reifen
montiert. Ich habe ja viel dagegen gesprochen, aber der BT45 (der nach
meiner Meinung die einzige richtige Wahl für 18 Zoll Räder ist) ist von
Natur aus sehr schmal. Der 90'er den ich vorher hatte, hat tatsächlich
nur 86 mm gemessen. Mit dem hatte ich das Gefühl, dass die Morini zu
viel in den Kurven "einknicken" wollte. Deshalb habe ich jetzt mit 100
probiert - und muss sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Ich musste mich
daran gewöhnen, dass es ein bisschen mehr Arbeit in weichen
Hochgeschwindigkeitskurven verlangt, weil die Fuhre sich gerne
aufrichten will, wegen der größeren Zentrifugalkraft (die
möglicherweise auch von der neuen zusätzlichen Bremsscheibe herkommt),
aber ich finde die Einfahrt in Kurven besser, besonders weil das
"Knick-Gefühl" völlig verschwunden ist. Wieder ist es individuell wie
es erlebt wird, aber mit meinem Fahrstil, wie geschrieben, mit viel
Gewicht nach vorne, passt es sehr gut. Optimal wäre 95 mm oder eine
kleinere Reifenhöhe, aber dann sind wir im Traumland ;o)
Übrigens haben mehrere von kurzer Lebenszeit der BT45'er berichtet,
aber das kann ich nicht bezeugen. Ich denke mal, es sind mindestens
noch 3000 km in den Reifen drin, die ich schon 12.000 km gefahren bin.
Es kann aber sein, dass viele und kurze Strecken, wo die Reifen nicht
ausreichend warm werden, einen größeren Verschleiß bedeuten.
Hinten: hier habe ich auch ein paar Änderungen gemacht. Die Kette war
dermaßen fällig - nach nur 10.000 km! Kurz nach meiner Tour habe ich
sogar ein Glied abgeflext um ein paar hundert km zu haben, bis ich
einen Kettensatz bekam.
Der große Verschleiß hat seinen Grund in einem Vorfall auf der Tour.
Ganz früh auf der Tour bin ich mit großer Geschwindigkeit über ein sehr
tiefes Schlagloch gefahren wo die Stoßdämpfer voll und hart
durchgeschlagen sind. Das hat ein Stück von der Kette ausgedehnt, was
selbstverständlich zu erhöhtem Verschleiß geführt hat.
Ich wollte Ritzel und Kettenrad unter alle Umständen mit einer neuen
Kette wechseln, aber hatte gehofft, dass es noch 5000 km warten konnte.
Unter allen Umständen, es war der letzte Satz den ich hatte - und
da ich nun ein neues kaufen musste, wollte ich ein 520-Satz haben.
Original ist es ja eine 530-Kette, die eigentlich viel zu groß für die
wenigen PS ist, die der Motor leistet. Jetzt habe ich also eine 520'er
Satz, das leichter läuft sowie auch weniger wiegt. Für
Gewichtsfanatiker kann ich sagen, dass es ganze 500 g weniger sind, und
nicht zuletzt 200 g weniger Kette, die herum geschleudert werden müssen.
Ich würde allen empfehlen einen 520-Satz beim nächsten Wechsel zu wählen.
Kettenrad und Ritzel hat mir Dieter Hoffmann verschafft.
Der Motor hat schrecklich ausgesehen - In Siena habe ich Dornröschen in
einer Waschanlage gewaschen. Ich habe sie mit einer Seife eingeweicht
und dann hochdruckgereinigt. Die Seife war aber sehr aggressiv und hat
das Aluminium angegriffen. Der Motor hat also ausgesehen als ob Säure
über ihn gegossen wurde. Außerdem habe ich ihn vor der Abreise nicht
ordentlich abgedichtet - alles war ja sehr stressvoll - und der Motor
hat ganz viel Öl geschmissen.
Der Motor wurde also wieder zerlegt und das gab mir die Möglichkeit zu sehen was 10.000 km einem Motor antut.
Die Gehäuseteile wurden noch mal glasgestrahlt und die blanken Stellen
poliert, damit das äußere wieder in Ordnung war. Innen gab es aber ein
paar Überraschungen Die kleine grüne Dichtung bei der Ölpumpe habe ich
offensichtlich schief eingeklemmt!! - Glücklicherweise gab es Durchgang
zur Kurbelwelle. Sonst hätte es übel ausgehen können.
Ein anderes Problem war das Getriebe. Hier waren Stücke von ein
paar Zähnen abgeschlagen. Ich vermute, dass es beim oben genannten
Vorfall geschehen ist. Die Zahnräder wurden deshalb gewechselt.
Dieses Mal habe ich Dirko HT für die Abdichtung benutzt. Ich habe sonst
immer Hylomar benutzt, aber ich muss sagen, dass Dirko mich überzeugt
hat. Hylomar bleibt sehr weich und kann irgendwie von Öl aufgelöst
werden. Passen die Teile gut zusammen, ist es kein Problem, aber bei
unebenen Oberflächen, glaube ich, dass es einfach aufgelöst wird. Dirko
härtet ein bisschen mehr und ist also besser für größere Zwischenräume.
Einziges Manko ist die rote Farbe. Das ist einfach unschön. Grau wäre
besser gewesen!
Glücklicherweise habe ich keine Simmerringe zerstört und jetzt ist der Motor völlig dicht! Schönes Gefühl.
Ach ja, ich habe auch eine Mutter am Krümmer bei Hygind Smedie
anschweißen lassen, damit ich endlich das Hitzeschutzblech ordentlich
montieren konnte.